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by Elevation Labs

Was wir fürs Lernen von Startups lernen können.

Oder, eine Huldigung der Startup- und Coworking-Kultur!

In meiner (Jan Foelsing) beruflichen Zeit durfte ich bereits in vielen Arten von System tätig sein. Von multinationalen Konzernen, über Mittelständler, hin zu kleinen Unternehmen und NGOs, sowie dem staatlichen Bildungssektor. In den letzten 2 Jahren nun auch im Startup-Bereich. Zum einen als Freiberufler in einem Startup Incubator und zum anderen mit meinem eigenen Startup.

Die Kultur in der ich mich dabei am wohlsten gefühlt habe, ist dabei ganz klar die des Startup-Sektors. Besonders Hochschulen aber auch Konzerne, sind mir einfach viel zu starr und unflexibel. Es geht zumeist gefühlt nur darum Vorgaben und Prozesse zu befolgen, um möglichst nicht negativ aufzufallen. Aber Entwicklung und Innovationen und damit auch Lernen, passiert besonders in den Bereichen, wo es „unbequemer“, undefinierter, offener zu geht.

In diesem Artikel möchte ich beschreiben, wie im Startup-Bereich gelernt wird und was wir daraus für das Lernen in anderen Bereichen herausziehen können. Ich nenne es gerne “natürliches Lernen”, ohne, dass man sich immer bewusst ist, dass es sich jetzt um die “Konserve” Lernen handelt.

 

Startups befinden sich oft in Coworking Spaces um sich mit gleichgesinnten besser vernetzen zu können. Vernetzung spielt bei Startups ohnehin eine äußerst wichtige Rolle. Dabei verschwimmen die Unternehmensgrenzen immer mehr, da man sich gegenseitig viel stärker unterstützt. Man könnte dies auch als die Vorstufe bzw. den Startpunkt zu „fluiden Organisationen“ bezeichnen. Lernen passiert dabei ganz „natürlich“ im täglichen Doing. Man befindet sich z.B. in einer Situation, in der ein anderes Startup schon einmal war und kann so lernen, was bei dem anderen Startup funktioniert hat und was nicht. Der eine hilft dem anderen bei Online Kampagnen, dafür hilft er dann z.B. bei der Homepage. Moderne Arbeitsteilung kennt keine Unternehmensgrenzen mehr. Es geht vielmehr um Kompetenzen und zwar bei Menschen, die sich erst einmal gegen einen sicheren Gehaltsscheck entschieden haben, um etwas tun zu können, worauf sie wirklich LUST haben. Damit geht gleichzeitig eine hohe Lernmotivation einher, die außerdem an Emotionen gekoppelt ist. Ein wahrer BOOST für nachhaltiges Lernen, wenn man der Hirnforschung nach z.B. Prof. Dr. Gerald Hüther Glauben schenken mag. Finanziell bedeutet diese Situation oftmals eine große Unsicherheit- und trotzdem tun sie es (Intrinsische Motivation).

 

Wie wird im Startup-Bereich gelernt?

„Warte kurz, ich gehe in 3 Wochen auf ein Online Marketing Seminar für 3.000€, danach mache ich unsere neue Online-Kampagne. Ich muss das aber zuerst noch mit meinem Chef klären, der das Budget beim Bereichsleiter prüfen muss. Vorher kann ich da leider nichts machen.“

Eine vielleicht nicht völlig untypische Szene, aus dem Lernalltag eines größeren Unternehmens. In dem Training sitzt man dann, hört viel zu und wenn es gut läuft, macht man auch 1-2 praktische Beispielaufgaben. Zumeist kommt die Person anschließend aus dem Training zurück, und hat erst einmal 2-3 dringliche Themen zu erledigen, die in der Zeit der Abwesenheit liegengeblieben sind, bevor es an die tatsächlich praktische Anwendung des Erlernten geht. Bis dahin ist das erworbene Wissen, bereits wieder zu über 70% weg (siehe Vergessenskurve nach Ebbinghaus). Und man merkt zudem, was eigentlich hätte noch Thema in dem Training sein sollen, um die anstehende Aufgabe erfüllen zu können… Im Startup-Bereich hingegen, laufen diese Lernprozesse ganz anders ab. Viele Fragen bei einer anstehenden Aufgabe, für die noch keine ausreichenden Kompetenzen vorhanden sind, werden an die sich direkt im Umfeld (im Coworking-Space oder im digitalen Netzwerk) befindlichen Personen gestellt (VernetzungsdichteKonnektivismus). Oder man fragt Google, geht auf YouTube oder Lernplattformen wie Udemy oder iVersity, um sich die benötigte Fähigkeit anzueignen, falls einem ein Coworking-Kollege mal nicht helfen kann… Doch wenn er helfen kann, zeigt er es einem zumeist direkt am REALEN Problem bzw. er unterstützt einen dabei es selbst zu machen (Kognitivismus). Das geht auch mal wenn beide nicht am gleichen Ort sind. Slack, Skype und co machen dies (problemlos) möglich. Learning by Doing in Paradeform. Gepaart mit einem Schuss ad-hoc Peer-Coaching. So entstehen in Coworking-Spaces unter Startups oder Kleinfirmen nebenbei noch Communities of Practice – und das ohne Prozess und großen Aufwand die Menschen dazu zu bringen, ihr Wissen mit anderen zu teilen… Verrückte Welt! 😀

Besonders oft kommt es dabei zu einem Mix zwischen autodidaktischen Lernphasen gepaart mit ad-hoc Trainings / kollegialen Intervisionen / peer learning und Coachings. 

 

Wie wird sich sonst noch Wissen angeeignet?

Neue interessante Artikel werden über z.B. WhatsApp, Slack, Confluence oder Pinterest getauscht (Behaviorismus). Dabei entstehen ganz beiläufig Knowledge Communities, in denen Lernen ganz natürlich, selbstinitiiert und -gesteuert passiert.

Die für einen persönlich interessanten Artikel werden dann nochmal z.B. in Evernote oder One Note in den persönlichen Fundus aufgenommen. Nicht selten entwickeln sich daraus neue Ideen, die analog oder digital niedergeschrieben werden, oder direkt im nächsten Online Meeting mit den Kollegen besprochen, oder über Slack bereits vorab geteilt, um deren Meinung einzuholen.

Auch wenn bei Startups sehr stark versucht wird, sich in Teilbereichen fundierte Fähigkeiten anzueignen, um die Kompetenzausprägungen im Team möglichst ergänzend zu gestalten, bleibt der Blick doch größer, da man oftmals (auch aufgrund des stetigen Ressourcenmangels) gezwungen ist, sich in mehreren Bereichen fit zu machen.

Dabei entstehen große Möglichkeitsräume für intrinsisch getriggertes Lernen, ohne dass dies so bezeichnet wird. Es passiert einfach. In den meisten anderen Bereichen haben viele noch das typische Bild im Kopf von, „hier wird gelernt und dort wird gearbeitet“. Damit gilt es endlich aufzuhören. Dass man im Schnitt 24 Stunden nach einem Training bereits wieder 70% vergessen hat, ist bereits seit 1885(!!) bekannt. Siehe z.B. hier: https://www.neuronation.de/gedaechtnistraining/vergessenskurve

Eine neue Meta-Studie (2017) zur Effektivität von Corporate Trainings bestätigt dies aufs Neue wie Jane Heart hier aufzeigt: 

http://modernworkplacelearning.com/magazine/company-training-and-e-learning-is-the-least-valued-way-of-learning-at-work-what-does-this-mean-for-ld/

Wie bei so vielem in unserer sich rapide entwickelnden Gesellschaft, nehmen Startup- und oftmals auch IT-Bereichs-Subkulturen (siehe z.B. SCRUM und der Einsatz digitaler Helfer) eine große Vorreiterrolle darin ein, wo sich die Themen Zusammenarbeiten/Arbeiten und Lernen hinbewegen und wie diese immer mehr verschwimmen und verschmelzen. Im Startup-Bereich lässt sich sehr schön sehen, wie die integrierte Lern- und Arbeitswelt der Zukunft aussehen wird.

Anmerkung: Dazu kommt noch die dort sogar teilweise angepriesene „Fehlerkultur” oder besser „Fehler sind ok, wenn man daraus lernt-Kultur“. Siehe z.B. das Format “Fuckup Nights”, welches durch Vernetzung und Austausch in besonders emotional geladenen Kontexten, die Lernkurve positiv beeinflusst. Ein perfekter Nährboden für nachhaltigere Lernprozesse.

Ziel sollte es somit sein die Rahmenbedingungen bzw. das Framework in dem Lernen ganz “natürlich” passiert und wobei oftmals (ganz nebenbei) noch neue Ideen entstehen, neu zu gestalten. Und dies auf analoger- (z.B. durch interdisziplinäre Teamräume), aber auch digitaler Ebene. Eine Art “Blended Möglichkeitsräume” für Kommunizieren und Austausch = (“natürliches”) Lernen. Ein aus meiner Sicht zudem zentraler Schritt auf dem Weg zum #NewWork / #Arbeiten 4.0.

 

Weiterführende Links:

Die Neuerfindung der Arbeitswelt (2012): https://www.zukunftsinstitut.de/artikel/die-neuerfindung-der-arbeitswelt/

Anmerkung: Bereits aus dem Jahr 2012 und immer noch wegweisend… P.S.: Kreativität = Problemlösungskompetenz = Lernfähigkeit

 

Ohne Spiel keine Kreativität (2017): https://www.facebook.com/neuewegefinden/videos/1834098413522764/

Anmerkung: Ein Blick über den Tellerrand zu Kreativität, Spielen und Lernen

 

Wie könnte die Arbeitswelt der Zukunft ausschauen (2017): http://t3n.de/news/t3n-podcast-zukunft-der-arbeitswelt-797635/

Anmerkung: Coworking olé olé

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